VEREINSMEIEREI vorgestellt vom Kreaktiv-Freizeitverein Hamburg
Text: Gudrun Kreplin, Fotos: privat
Eine Reise durch das politische Berlin
Was aus einer spontanen Idee auf einem Neujahrsempfang werden würde, war mir damals nicht bewusst. Jedenfalls begann alles damit, dass ich eine Umfrage startete, wer aus dem Verein Interesse an einer solchen Fahrt hätte. Es meldeten sich 25 Interessierte. Damit begann meine Planung. Ich nahm also Kontakt zu HH-Politikern auf und musste erfahren, dass eine Tages-Busreise in der herkömmlichen Form für eine solch große Gruppe momentan nicht angeboten wird. Es könnte aber eine Zugreise mit einer Übernachtung geboten werden. Demzufolge schrumpfte schon die Teilnehmerzahl, denn im Doppelzimmer zu übernachten ist altersbedingt eben nicht jedermanns Sache.
Kurz und knapp, wir starteten mit kleiner Besetzung aber mit der notwendigen Neugier. Erschwerend kam hinzu, dass der Treffpunkt schon zeitig gelegt war, es tüchtig regnete und dazu uns noch die Zeitumstellung in den Knochen steckte. Eine Stunde weniger Schlaf. Könnte man ja im Zug nachholen, denn die Plätze waren reserviert. Fehlanzeige! Schon im Zug kamen wunderbare Gespräche in Gang und ich gestehe, nur den Hundertwasser-Bahnhof in Uelzen, den Bahnhof Stendal und Spandau habe ich, flüchtig aus dem Zugfenster schauend, erkannt. In Berlin wurden wir herzlich empfangen, staunten darüber, dass das Rolltreppenproblem im Hauptbahnhof noch immer nicht gelöst war und standen vor der Tür. Auch hier im Regen.
Aber der Bus parkte in Sichtweite mit einem munteren Fahrer und schon bald erreichten wir den befriedeten Bezirk des Deutschen Bundestages.
Der Staatsbesuch des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa sorgte für abgesperrte Straßen, Umleitungen und striktes Versammlungsverbot. Doch da wir zu den Kreisen der berechtigten Personen gehörten, klappte alles problemlos und wir sahen das Polizeiaufgebot und Fahnen schwenkende Menschen nur von Ferne.
Und
dann lag es vor mir, das am Ende des Zweiten Weltkrieges stark
umkämpfte Reichstagsgebäude. Damals eine Ruine inmitten von
Trümmern und ohne Kuppel. Heute erstrahlt es wieder in seiner
Pracht und die gläserne Kuppel ist ein Touristenmagnet und gilt
als Wahrzeichen Berlins. Die Stufen zum Eingang führen vorbei an
den Wappenbäumen die Nord- und Süddeutschland präsentieren.
Wir durften auf den Rängen des Plenarsaales Platz nehmen und
schauten auf den gewaltigen Bundesadler, der diesen Raum dominiert.
Der Blick wanderte weiter nach oben, hinauf zu den Menschen, die dort unterwegs waren.
Der Vortrag zeigte uns einen geschichtlichen Abriss und führte durch die Arbeit des Parlaments. Wenn ein Besucher aber gedacht hatte, hier etwas Schlaf nachzuholen, der irrte. Fesselnd und humorvoll erlebten wir eine interessante Stunde, in der alle Fragen ausreichend beantwortet wurden.
Im Anschluss gab es eine Diskussion mit einer Abgeordneten, die ebenfalls keine Frage unbeantwortet ließ.
Der anschließende Besuch der Kuppel war natürlich ein absolutes Erlebnis, auch wenn der Regen die Sicht über die Hauptstadt einschränkte.
Nach dem Mittagessen ging es auf, zu einer Stadtrundfahrt durch das „politische Berlin“. Kreuz und quer fuhr uns der Busfahrer durch das Regierungsviertel, das sich durch die Wiedervereinigung zweier deutscher Staaten im bis dahin geteilten Berlin, herausgebildet hat. Aus Kostengründen hatte man mehrheitlich auf vorhandene Bauten zurückgegriffen. Somit entstand eine Einheit aus Gebäuden des Deutschen Reichs, der DDR und der Bundesrepublik. Die Gebäude der diplomatischen Vertretungen liegen in der Nähe und sind oft Neubauten. Aber auch im ehemaligen Ostteil liegen Vertretungen in historischen Gebäuden.
Mir war besonders eine Flagge aufgefallen und so staunte ich über die Angolanische Botschaft, die am Werderschen Markt direkt neben der markanten Friedrichswerderschen Kirche ihren Sitz hat. Hier vereinigt sich also preußische Geschichte, DDR-Geschichte und die Neuzeit.
Vermutlich wäre mir dieses Gebäude nicht einmal besonders aufgefallen. Aber wir hatten noch ein Informationsgespräch im Auswärtigen Amt und gingen gleich zweimal unter der Flagge hindurch und neben der Kirche vorbei.
Es würde zu weit führen, alle besuchten Plätze hier anzuführen, nur einen will ich noch nennen. Es ist der Hamburger Bahnhof.
Tatsächlich
ist es ein altes Bahnhofsgebäude und liegt an der
Invalidenstraße.
Ein unscheinbares kleines Schild weist auf das “Verkehrs-und Baumuseum“ hin. Seit Anfang des 20.Jh. wird das damalige Empfangsgebäude als Museum genutzt. Betritt man die Stufen zum Eingangsbereich fällt der Blick auf eine, im ersten Moment befremdlich ungeordnete Gartenanlage, die aber von dem Künstler genau so gewollt und erklärt wird.
„Das Recht auf Faulheit“ hat der Künstler diese Anlage genannt.
Und dann sind da diese leisen Töne… es ist der Wind, der keine Grenzen kennt, denn das Gebäude liegt direkt an der damaligen Berliner Mauer.
Fällt der Blick weiter auf das Gebäude, leuchtet es grün hinter blauen Röhren. Was es mit diesen „Pinselpunkten“ wohl auf sich haben mag?
Auch dies weckt mein Erstaunen. Also werde ich viel tiefer einsteigen müssen in die Denkweise von
Künstlern der Gegenwartskunst. Jedenfalls habe ich nur mit Hilfe einer beeindruckenden Führung ein wenig
von der Denkweise der momentan ausstellenden Künstler erfahren können. Ein großartiges Erlebnis, was zum Wiederkommen geradezu einlädt.
Die ganze Fahrt war geprägt von einem unterhaltsamen Miteinander und ließ die zunehmend digitaler werdende Welt für einen kurzen Zeitraum in den Hintergrund treten. Es war eine ganz besondere Veranstaltung, von der unsere „Kreaktiv-Mitglieder“ sicherlich in anderen Gruppen zu erzählen wissen.
Vielleicht aber sind nun auch andere Senioren neugierig geworden, was alles in einem Verein machbar ist.
Wir haben ebenerdige Räumlichkeiten in der Nebendahlstraße, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln problemlos zu erreichen sind. Ich lade Sie ein, einmal hereinzuschauen.
Hamburg
Wandsbek, Nebendahlstraße 13
Tel. 040/ 3074 5200 (AB)
Oder über unser Formular Kontakt aufnehmen.